Ein "Camberger Inder" hilft Not leidenden Landsleuten
    Bidhan Roy lebt seit 25 Jahren in Deutschland
    Mittwoch, den 17. Mai 2000, Zeitung: Weilburger Tageblatt
Bad Camberg. Über "Computer-Inder" ist in den letzten Wochen und Monaten viel geschriebne und diskutiert worden. Nicht aber über die arme Mehrheit des indischen Volkes, die der seit Jahrzehnten in Deutschland lebende, ehemalige Firmenchef Bidhan Roy mit seiner "Gandhi-Kinderhilfe Bad Camberg" unterstützt.
Der 60-Jährige setzt sich seit fast 25 Jahren in seinem Heimatland nicht nur unermüdlich für behinderte Menschen ein, sondern auch für verlassene Frauen, Waisenkinder und junge Inder aus ärmlichen Verhältnissen, die ohne ihn nie den Weg in ein normales Leben finden könnten.
Ob er Armenspeisungen durchführt, Brunnen graben lässt oder frisches Obst an Patienten in Krankenhäuser verteilt: Bidhan Roy, der "Engel aus Jemo" nahe Kalkutta, ist da, wenn sein Rat und seine Hilfe gebraucht wird.
Der Wahl-Bad Camberger kann aber auch Strenge walten lassen, wenn es erforderlich ist. Jugendlichen, die in der Schule nicht mitziehen wollen, droht er aus deren eigenem Interesse schon einmal mit Unterstützungsentzug.
Und Roy lehnt auch Spenden ohne Gegenleistung für seine indischen Freunde ab, die diese nur träge machen würden. Sein Verein unterstütze Menschen, um diese darauf vorzubereiten, ihren eigenen Lebensunterhalt irgendwann einmal selbst verdienen zu können, sagt er.
Zirka viermal jährlich ist der Sohn eines wohlhabenden Arztes zu Gast in seiner alten Heimat. Bei einer Ankunft stehen vor seinem Heim in der Regel schon bis zu 400 Kinder mit ihren Angehörigen, die darauf hoffen, zum kleinen aber immer größeren Kreis der von der "Gandhi-Kinderhilfe" geförderten Personen (derzeit sind es 400) zu gehören.
Bidhan Roy ist sich auch nicht zu schade dafür, nach den Vorstellungsgesprächen alle Bewerber persönlich in ihren Häusern zu besuchen, um eine gerechte Auswahl treffen zu können.
Da das große Herz des "Deutschen" in Asien mittlerweile bekannt ist, liegen sogar hin und wieder einfach fremde Babys in Körbchen vor seiner Einrichtung. "Dem Kind wird es hier schon gut gehen, denken die Eltern", glaubt Roy.
Stolz ist der "Unruheständler", dass viele seiner ehemaligen Schützlinge ihren Weg gegangen und erfolgreiche Persönlichkeiten, beispielsweise Wissenschaftler oder Lehrer, geworden sind.
Dabei reichen laut Roy, um einem Kind die Schulausbildung zu finanzieren, monatlich zehn, um einem Waisenkind den Aufenthalt in einem Heim zu finanzieren, monatlich 50 Mark.
"Da wir keine Verwaltungskosten haben, können wir Spenden ohne Abzüge weiterleiten", versichert Roy: "Ich sage den Menschen immer, sie brauchen bloß drei Bier weniger zu trinken, und schon können sie einem jungen Menschen eine Perspektive bieten!".
Wer mehr über die Arbeit der Kinderhilfe erfahren möchte, erreicht Bidhan Roy per Telefon und Fax unter (0 64 34)54 71.
Übrigens bietet er in seinen indischen Kinderheimen interessierten Deutschen auch Praktika-Plätze an, die dort kostenlos auf Wunsch für mehrere Monate leben und verpflegt werden können, wenn sie ein bisschen mit anpacken.

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