Reisebericht von Dominique




Dominique war bei der Ghandi-Kinderhilfe als Freiwillige Helferin in Jemo, hier ein kleiner Bericht von Ihr.

 

Hallo,
mein Name ist Dominique, ich bin 22 Jahre alt und lebe in Würzburg, wo ich Sonderschullehramt studiere. Diese Zeilen schreibe ich jedoch in etwa vom anderen Ende der Welt – Indien!

Am 25. Januar 2010 kam ich in Kolkata, West Bengal, an, wo mich Familie Roy freundlich bei sich aufnahm. Zwei Tage später saß ich mit den Roys auch schon im Auto nach Jemo. Auf der sechsstündigen Fahrt vom Großstadtdschungel in die ländliche Idylle konnte ich viel von Land und Leuten sehen. Es scheint, als ob sich das indische Leben in seiner ganzen Fülle am Straßenrand abspielt – man sieht Gemüsehändler beim Abwiegen ihrer Ware, Frauen, die Wäsche waschen, Männer, die sich eine Rasur verpassen lassen, Menschen, die ein tägliches Bad im heiligen Ganges nehmen, spielende Kinder, Arbeiter beim Bepflanzen der Reisfelder, usw.! Eine Autofahrt ist in Indien auf jeden Fall keine Sekunde langweilig, es gibt immer etwas zu sehen!

In der Einrichtung der Gandhi Kinderhilfe in Jemo angekommen wurden wir herzlich empfangen: der Vater und die Schwestern haben mit den Kindern im Waisenhaus ein sehr schönes, englisches Willkommenslied für uns eingeübt.

Die Kinder hier im Waisenhaus sind aufgeweckt, voller Energie und Lebensfreude und rufen mir sobald ich in Sichtweite bin ein fröhliches „Hello auntie!“ entgegen. Sie werden von den Schwestern tagtäglich liebevoll umsorgt und vom Küchenteam gesund, lecker und ausgewogen bekocht.

Ein typischer Tag im Waisenhaus beginnt um 6 Uhr in der Früh. Die Schwestern wecken die Kinder, damit diese sich für das allmorgendliche Gebet um 6.30 Uhr fertig machen können. Nach einem Chai („indischer Tee“, Schwarztee mit Milch und viel Zucker) beginnt um 7.30 Uhr die „Coaching Class“. Ab 9 Uhr erledigen die älteren Kinder mit großer Selbstverständlichkeit ihre morgendlichen Pflichten: vom Putzen der Treppe oder der Klassenzimmer über das Gießen der Blumenbeete oder das Ausmisten des Hasenstalls und Vogelkäfigs. Danach ist Zeit für das tägliche Bad, das die kleinen Kinder auf dem großen Balkongelände nehmen. Es ist wirklich schön zu sehen, wie sie sich mit großem Gemeinschaftssinn gegenseitig beim Einshampoonieren, Abduschen, Abtrocknen und anschließenden Einölen und Frisieren helfen. Nach dem Frühstück um 10.30 Uhr machen sich die Kinder auf den Weg in die Schule, die um 11 Uhr beginnt. Zurück von dort gibt es Mittagessen, gefolgt von einer kleinen Ruhepause, in der vor allem die kleineren Kinder ein kurzes Nickerchen einlegen. Ab 16 Uhr haben die Kinder dann Zeit zum Spielen: ob Kricket spielen auf dem Feld, eine kleine Partie Schach, Freundschaftsbändchen knüpfen, lesen, malen - auf was auch immer die Kinder Lust haben, das ist die Zeit dafür. Nach dem Abendgebet um 18 Uhr sind noch mal zwei Stunden zum selbstständigen Lernen und Üben reserviert. Um 20.30 Uhr gibt es schließlich Abendessen und die Kinder machen sich zum Schlafen gehen fertig, damit sie pünktlich um 21:30 Uhr im Bett sind. Allerspätestens um 22:30 Uhr heißt es dann auch: Licht aus! Und das ist auch gut so, nach so einem langen, erlebnisreichen Tag!

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