Melanie Schwind kehrt mit bleibenden Eindrücken zurück
    Dienstag, 16. April 2002
Bad Camberg. Melanie Schwind ist seit gut zwei Wochen zurück aus Indien. Die 20-Jährige aus Idstein war zusammen mit Anissa Norman aus Dauborn und Maria Zimmerschied aus Wezlar am 30 Oktober letzten Jahres nach Kalkutta geflogen. Von dort aus reisten sie nach Jemo, West-Bengalen, um in der dortigen Einrichtung der Gandhi-Kinderhilfe helfend Hand anzulegen. Melanie war mit über fünf Monaten am längsten dort und hat schon einmal für unsere Zeitung von ihrem Leben in Indien erzählt. Jetzt, nach ihrer Rückkehr, hatten wir Gelegenheit, persönlich mit ihr zu sprechen. Sie erinnert sich sichtlich gern, die Eindrücke und Bilder sind noch ganz präsent,. Wenn Sie erzählt, lächelt sie viel. Man merkt ihr an. Dass sie trotz der ungewohnten, unbequemen und befremdlichen Umgebung sehr viel Positives mitgenommen hat.
Gleich am Abend ihrer Ankunft mussten Anissa und Melanie mit ihrem Nachhilfe-Unterricht für die armen Kinder und die Patenkinder beginnen - die hatten die beiden schon sehnsüchtig erwartet. Melanie hatte sich bei ihrer Mutter, die selbst Englisch unterrichtet, Anregungen geholt. Beide Frauen hatten auch Bücher mitgebracht und konnten sich bald von anfänglich spontanen Ideen mit Hilfe eines pensionierten Schulleiters in den Schulalltag integrieren. Melanie betreute zwischen 20 und 40 Kinder der Klassen 8 bis 11. Diesen gab sie zusätzlich zum Unterricht der staatlichen Schule Nachhilfe in Englisch und am Wochenende auch in Deutsch.
Melanie beschreibt die Kinder als sehr eifrig, viele seien schon viel früher zum Unterricht erschienen, und mit den älteren Jungen saß sie oftmals abends noch Stunden auf dem Dach der Einrichtung, um auf der Schiefertafel deutsche Vokabeln zu büffeln. Zusätzlich zu den drei Stunden Unterricht täglich arbeiteten Melanie und Anissa mit 20 der gut 80 Behinderten der Einrichtung. Dort wurde gemalt, gesungen und auch Bewegungstherapie vermittelt. Auf die kleinen Erfolge mit autistischen Kindern ist sie besonders stolz. Auch an Speisungen, der Verteilung von Kleidern und Obst durch die Gandhi Kinderhilfe hat Melanie selbst teilgenommen. Dadurch kann sie ermessen, wie wichtig die humanitäre Hilfe in Jemo wirklich ist.
Ihre letzte große Feier fand am 5. März statt. An diesem Tag wurde im Beisein des deutschen Generalkonsuls Wolfgang Seiwert der Grundstein für die geplante Krankenstation gelegt. Vorgesehen sind vier Räume, zwei davon können bereits im Herbst eingeweiht werden. Bereits jetzt sind drei Ärzte mit der kostenlosen Behandlung für die Bewohner des Dorfes betraut, täglich werden bist zu 70 Patienten teils auf den Fluren des Schulgebäudes behandelt. Die Verhältnisse dort sind sehr beengt und für den Unterricht störend. Das Gesundheitszentrum ist für die Bewohner sehr wichtig, denn Jemo verfügt mit über 14 000 Einwohnern über keinen Arzt und das nächstgelegene Krankenhaus können sich die Armen nicht leisten.
Besonders wichtig sei, so betont Melanie, dass siech Spender für den dringend benötigten Krankentransporter fänden; mehrere Kinder seien gestorben, weil sie nicht schnell genug einer ärztlichen Versorgung zugeführt werden konnten. Sehr guten Kontakt pflegte Melanie mit der ihr vertrauten Heimleiterfamilie. Durch deren gute Englischkenntnisse konnte sie viel über die Gepflogenheiten, Sitten und Gebräuche in Indien erfahren. Dadurch konnte sie vieles, was sie in Indien gesehen und erlebt hat, besser und eingehender verarbeiten, die Hindergründe verstehen und sich das Verhalten der Menschen in diesem Teil der Erde erklären.

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