Gandhi-Kinderfhilfe Bad Camberg: Eine grosse Familie
    Donnerstag, den 06. November 2014, Zeitung: Nassauische Neue Presse (rok)
Bad Camberg. Die Arbeit der Gandhi-Kinderhilfe Bad Camberg, die sich vor allem um arme Kinder in der indischen „30 000-Einwohner-Dorf“ Jemo kümmert, läuft prächtig. Der Vorsitzende Bidhan Roy berichtete bei der Jahreshauptversammlung über den Stand der Dinge.
Viele der Kinder entwickelten sich prächtig, weil sie sich im Hilfszentrum inzwischen wie zu Hause fühlten. „Das macht mich wirklich richtig glücklich, wenn ich so was höre“, sagte Bidhan Roy, der Vorsitzende der Gandhi-Kinderhilfe Bad Camberg, bei der Jahreshauptversammlung im Clubraum des Kurhauses. Viele ehemalige Schüler riefen ihn noch regelmäßig an und fragten ihn, wie es ihm gehe.

Derzeit besuchen 101 Kinder die Schule des Vereins in Jemo. Deutsche Paten unterstützen insgesamt 220 sozial benachteiligte Kinder der Region sowie 110 Waisenkinder. Aber das reicht noch lange nicht: Roy kündigte an, dass die Gandhi-Kinderhilfe auch eine Kindertagesstätte einrichten wolle. Die Räume und die Einrichtung seien dank der Spenden schon vorhanden. In der Kita könnten die Kinder dann schon vor Schulstart ein wenig lesen und schreiben lernen.

Birgit Bang, Kassiererin der Gandhi-Kinderhilfe, erzählte, dass der Verein Rücklagen gebildet habe – für den Fall, dass einmal in einem Jahr nicht so viele Spenden wie erhofft eingehen würden oder neue Investitionen zu tätigen seien. Dank treuer Mitglieder, Spender und Paten seien die Spenden über die letzten Jahre relativ konstant geblieben. Und es gehe nichts für Verwaltungskosten ab, da beispielsweise die Familie Roy ihre Flüge nach Indien aus eigener Tasche bezahle und sogar Mitglieder des Vorstandes dem Verein das Briefporto spenden würden. Aber allein 34 800 Euro koste es den Verein im Jahr, die Einrichtung in Jemo am Laufen zu halten und die dortigen Mitarbeiter zu bezahlen.

Dazu kommen noch Praktikanten: Roy berichtete, dass es den Kindern gut tue, dass jedes Jahr deutsche Praktikanten für ein paar Wochen kämen. Von ihnen könnten die Kinder in Jemo einiges lernen. Dass die Schüler im Hilfszentrum das Rüstzeug fürs Leben bekämen, zeige sich daran, dass viele später höhere Schulen besuchten, einige sogar studierten und beachtliche berufliche Karrieren hinlegten. Und den anderen helfen die Mitarbeiter des Hilfszentrums bei der Suche nach einer Ausbildung, sodass sie später von ihrem Einkommen leben könnten. Roy sagte, es sei wichtig, dass auch die Frauen in Indien gut ausgebildet würden.

Außerdem gibt es in Jemo ein medizinisches Zentrum, das den Bewohnern einfache aber effektive Hilfe zur Deckung der medizinischen Grundversorgung biete.

Er werde sein ganzes Vermögen nach seinem Tod der Gandhi-Kinderhilfe vermachen, damit das Zentrum in Jemo noch lange bestehen könne, sagte Bidhan Roy. Und er habe keine Bedenken, dass der Verein seine Arbeit vernünftig leiste, wenn seine Frau Gisela und er nicht mehr könnten. Doch jetzt gelte es dafür zu sorgen, dass der Betrieb auch in Indien reibungslos weiterlaufe.

Dass es derzeit bestens laufe, liege vor allem am persönlichen Engagement des Ehepaars Roy, sagte Bang. Aber auch an den Helfern: Fabian Simon aus Schwickershausen und Jonathan Reusch aus Niederbrechen waren jeweils eineinhalb Monate lang in Indien und haben in der Slum-Schule unterrichtet: Wer einmal in ein Land wie Indien reise, der werde wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt, berichteten sie. Die meisten Menschen dort müssten mit einem geringen Lebensstandard auskommen, seien aber trotzdem glücklich. Dort einmal ehrenamtlich nach der Schule zu arbeiten, konnten die beiden jungen Männer Alterskollegen nur raten.

Dankbarkeit

Man erfahre dort viel Dankbarkeit und werde dort derart mit Erfahrungen überhäuft, dass man nach der Rückkehr wisse, was wirklich auf der Welt los ist und was im Leben zählt. „Da weiß man dann mal, wie gut es uns hier wirklich geht“, sagte Fabian. Jonathan und er hatten den Eindruck, dass die Kinder im Hilfszentrum optimal aufs spätere Leben vorbereitet werden. Sie seien alle wohlerzogen. Hans-Josef Müller aus Elz, der regelmäßig Jemo besucht und, wenn es nach Wunsch von Bidhan Roy geht, irgendwann mal den Vereinsvorsitz übernehmen soll, sprach von den Kindern des Hilfszentrums als großer Familie. „Jeder, der gehen wollte, könnte wieder gehen, aber alle bleiben.“

Wer die Gandhi-Kinderhilfe unterstützen möchte, erfährt alles Wichtige im Internet: www.gandhi-kinderhilfe.de. Weitere Informationen gibt es bei Bidhan Roy, Telefon: (0 64 34) 54 71, oder per E-Mail: info@gandhi-kinderhilde.de.

Sie hoffen auf ein besseres Leben: Die Kinder aus Jemo in Indien haben Dank der Gandhi-Kinderhilfe ein Zuhause und können eine Schule besuchen.

Fenster schließenprint