Reisebericht von Jonathan




Jonathan war vom 1. Juli bis 7. August in Indien bei der Ghandi-Kinderhilfe als Freiwilliger Helfer in Jemo, hier sein interessanter Bericht.

 

Hallo,
mein Name ist Jonathan Reusch, ich bin 18 Jahre alt und komme aus Niederbrechen.

Was tun zwischen Abitur und Studium? Diese Frage stellte ich mir vor einiger Zeit und kam zu dem Entschluss etwas Gutes zu tun und in Herrn Roys Institution zu arbeiten. Dann war der Flug auch schon gebucht, das Abitur vorbei und ich am 1 Juli im Flugzeug nach Kalkutta. Angekommen in Kalkutta wurde ich von einem Mitarbeiter der Kinderhilfe abgeholt. Hier wurde mir schon bewusst, Indien und Deutschland kann man nicht vergleichen. Denn schon die etwa 15 Minuten Fahrt im Taxi vom Flughafen zu meiner Unterkunft war sehr abenteuerlich, da sie überwiegend durch Vollbremsungen und ständigen Hupens und Ausweichen geprägt war. Endlich angekommen, erwartete mich leckerer Tee und ein typisches indisches Mittagessen, natürlich mit Reis. Nach dreitägigem Aufenthalt in Kalkutta, bei welchem ich unter anderem eines der Behindertenheime Herrn Roys besuchte, wurde ich schließlich nach Jemo in das Waisenhaus gebracht. Auch diese Reise, überwiegend mit dem Zug, war sehr abenteuerlich. Sie gab mir einen Einblick in die Slums Kalkuttas sowie Indiens ländlichen Teil, welcher aus viel Landwirtschaft besteht. Nach circa fünf Stunden und Muskelkater in der Gesäßmuskulatur, hatte mein Begleiter und ich Jemo erreicht. Nun bekam ich mein Zimmer und die Anlage gezeigt. Das Gebäude ist in einen Teil für Jungs und in einen Teil für Mädchen aufgeteilt. Schnell kamen die Kinder auf mich zu und wir spielten zusammen Fußball, was Barfuß mehr als nur eine Herausforderung war. Jedoch war dies mit sehr viel Spaß verbunden. Auch die anderen Kinder waren sehr offen und interessiert. So war der erste Tag schnell vorbei und ich freute mich auf die nächsten Wochen. Täglich begannen dann meine Tage um 5:30 Uhr morgen, mit dem Morgengebet. Auf dieses folgte dann das morgendliche Lernen. Hier half ich besonders den jüngeren Schülern im Englischen. Nachdem ich diese dann zur Schule gebracht hatte, beschäftigte ich mich mit den größeren Jungs und erklärte ihnen zum Beispiel Computerprogramme. Hierbei entstand eine von den Kindern eigens angefertigte Präsentation über das Waisenhaus Jemos. Um 13:30 Uhr gab es dann bereits immer Mittagessen, auf welches die Mittagspause folgte, bevor es dann Zeit zum Spielen war. Daraufhin war wieder Lernzeit, auf welche das Bettgehen erfolgte. Eine meiner Hauptaufgaben war es Briefe für die Paten auf Deutsch zu verfassen, welche die Kinder zuvor auf Englisch verfasst hatten. Hier sah ich, wie dankbar die Kinder sind und die Hilfe zu schätzen wissen. Nach zwei Wochen bekam ich dann tatkräftige Unterstützung von Raffael und Lea aus dem Allgäu. Ihnen hat es genauso viel Spaß gemacht wie mir. So machten wir mit einigen größeren Jungs einige Ausflüge zu historischen Stätten, wie der zu Murshidabad. Hier kann man sagen, dass schon die Fahrt im Bus und im indischen Tuktuk beeindruckend war, da man nicht wusste, wo man als seinen Blick hinwenden soll. So nahmen die vier Wochen ihren Lauf und wir fuhren gemeinsam zurück nach Kalkutta. Dort angekommen, besichtigten wir dann noch ein paar Sehenswürdigkeiten, bevor es am 7. August zurück nach Deutschland ging.

Je länger wir in der Einrichtung verweilten, desto größer wurde der Respekt, was Herr B.N. Roy dort schuf. Denn die Kinder erhalten neben dem Essen, der schulischen Bildung und Erziehung vor allem ein Zuhause. Ein Zuhause mit Struktur, welche in jungen Jahren der Selbstfindung der Kinder von hohem Belang ist. Allerdings stellten wir auch fest, dass solch eine Einrichtung ohne Spendengelder nicht existieren würde und so die Kinder, wie in weiten Teilen des Landes, der Armut und der harten Lebensbedingungen des Schwellenlandes ausgesetzt wären. Daher gilt ein großer Dank den Spendern, den sogenannten „parents“, welche die Kinder mit einer Patenschaft finanzieren und ihnen den Lebensunterhalt und vor allem die schulische Bildung ermöglichen. Zusammengefasst kann man sagen, dass die drei Studenten aus Deutschland kaum eine bessere Erfahrung hätten machen können. Einerseits weil eine Öffnung für eine andere Kultur stattfand, andererseits auch, weil sie dadurch das deutsche Leben durch andere Augen betrachten und alltägliche, selbstverständliche Dinge nun mehr zu schätzen wissen.

 

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