St. Peter und Paul in Jemo
    Freitag, den 27. Juli 2007, Zeitung: Nassauische Neue Presse
Bad Camberg. Das Gelände der Gandhi Kinderhilfe Bad Camberg im indischen Jemo hat sich sehr verändert. Nach und nach wurden die Gebäude, die das Behindertenheim, das Waisenhaus, die Räume für den Unterricht der Kinder und die Ausbildung der Frauen beherbergen, vergrößert. Der jüngste Bau ist etwas anderes. Mitten auf dem Gelände steht nun eine kleine Kapelle. „Der Platz gehört jetzt Rom", erzählt der Vorsitzende des rührigen Bad Camberger Vereins, Bidhan Roy.
Seit vielen Jahren unterstützt er gemeinsam mit seiner Familie die Einrichtung in Jemo. Sie ist aus dem Behindertenheim, welches sein Vater gegründet hatte, hervorgegangen. Mittlerweile gehört mehr dazu, und das ist Bidhan Roys Werk mit großer Unterstützung des Bad Camberger Vereins Gandhi Kinderhilfe.
Regelmäßig fahren engagierte Menschen aus der Region dort hin, arbeiten eine Zeitlang mit den Kindern oder helfen beim weiteren Ausbau mit. Zahlreiche Studenten waren dabei, haben dort ein Praktikum absolviert. Dörte Rummel (26) und Rahel Brückner (20) hatten sich schnell an den Tagesablauf gewöhnt. Sie waren gekommen, um im Waisenhaus zu helfen. Für Rahel, die dort die Zeit zwischen Abitur und Studium überbrückte, war alles neu. Dörte kannte sich schon besser aus, war schon das vierte Mal in Jemo. Seit über zwei Jahren unterstützen sie und ihre Eltern, die dieses Mal auch mitgekommen waren, die Einrichtung. Viele Kinder haben Paten in Deutschland gefunden - auch in Bad Camberg. „Hier leben ungefähr 40 Kinder zwischen drei und 14 Jahren", erzählt Rahel Brückner. „Nach dem Frühsport und dem Frühstück bringen wir die Kinder in die nahe gelegene Schule. Die Nachmittage verbringen wir mit Malen, Basteln, Fußballspielen und ähnlichem. Seit einiger Zeit haben sechs Schwestern und ein Pater des katholischen Ordens Don Bosco die Leitung des Kinderheims übernommen. Mit mütterlicher Fürsorge kümmern sich die Schwestern um die Kinder, wobei wir sie so weit wie möglich unterstützen." Dieser Gedanke hilft auch Bidhan Roy. Regelmäßig reisen er und seine Frau Gisela nach Jemo, um die Einrichtung zu betreuen. In der Zeit, in der er in Deutschland ist, läuft der Betrieb weiter. Doch Gedanken um die Zukunft hat sich der 67-Jährige natürlich auch gemacht. Die Waisenkinder werden älter - hier hat er mit der Don-Bosco-Schule und dem Orden der Salesianer im 70 Kilometer entfernten Krishnagore eine Einrichtung gefunden, die die weitere Ausbildung unterstützt. Gleichzeitig hat er nun, da es gelungen ist, den Orden auch in Jemo anzusiedeln, Weichen für die Zukunft „seiner" Einrichtung gestellt. Der Gedanke beruhigt ihn, dass es auch dann weiter gehen wird, wenn er eines Tages einmal „nicht mehr so kann". Doch das mag noch lange dauern, denn die Roys sind sehr aktiv, und die Arbeit mit den jungen Leuten hält jung - auch wenn es häufig anstrengend ist.
Im September werden sie wieder nach Jemo fliegen - wie üblich mit vielen Spenden im Gepäck. Und sie werden natürlich auch die Kapelle besuchen. Sie heißt „St. Peter und Paul" - genauso wie die Bad Camberger Kirche. Für die Menschen dort ist sie ein Zeichen - und ein Ort der Besinnung. „Meine Mutter geht dort jeden Tag hinein", berichtet Bidhan Roy. Sie ist 82 Jahre alt und Hindu. Trotzdem ist die katholische Kapelle für sie ein Ort des Glaubens. Und: Die ruhige Art, mit der die Schwestern und der Pater dort leben und helfen, gefällt ihr. (pp)

Wer sich für die Gandhi-Kinderhilfe oder eine Patenschaft interessiert: Helfer aus Deutschland verbrachten in der Vergangenheit mehrere Monate dort. Zu zahlen ist nur der Flug, die Unterbringung ist kostenfrei. Informationen gibt der Vorsitzende Bidhan Roy, Tel./Fax (06434) 5471, E-Mail: info@gandhi-kinderhilfe.de. Internet: http://www.gandhi-kinderhilfe.de. Ein Spendenkonto ist bei der Volksbank eingerichtet, BLZ 51190000, Nr. 42331.

Die Kapelle auf dem Gelände der Gandhi Kinderhitfe in Jemo heißt „St Peter und Paul" - wie die Bad Camberger Pfarrkirche.

Der Orden der Salesianer (Don Bosco) hilft nun dort mit Kleine Bilder, von links: Die Bad Cambergerin Ursula Schüssler besucht Jemo, Vater Jakob und die Schwestern (hier vor der Kapelle). Wolfgang Rieht aus Selters hat diese Wässerpumpe gestiftet Die Waisenkinder (hier nur ein Teil von ihnen) haben sich an die Schwestern gewöhnt - und umgekehrt.

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