Bundesverdienstkreuz für die Roys
    Die Regierung würdigt das ungemeine Engagement der Bad Camberger in Indien

    Samstag, den 8. November 2008, Zeitung: Nassauische Neue Presse

Bad Camberg. Die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland ist eine Auszeichnung, die nicht allzu häufig verliehen wird. Noch seltener ist es, wenn dies auch noch bei einem Ehepaar der Fall ist. Bidhanendu (genannt Bidhan) und Gisela Narayan Roy aus Bad Camberg sind vom Bundespräsidenten auf diese Weise gewürdigt worden. Der Hessische Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) überreichte gestern die Auszeichnung im Kreise von Freunden und Weggefährten im Amthof-Cafe.

Mitte der 80er Jahre haben die beiden damit begonnen, Menschen in Indien zu helfen. 1988 wurden sie Mitglieder in der Mahatma Gandhi Kinderhilfe Passau. Ende der 80er Jahre wurde ein Behindertenheim in Jemo, etwa 240 Kilometer von Kalkutta entfernt, gebaut, resümierte der Staatsminister. 1999 gründete das Ehepaar die „Gandhi Kinderhilfe Bad Camberg", die seitdem von vielen Menschen unterstützt wird. In einem weiten Umkreis hat sich der rührige Verein einen guten Namen gemacht, und deshalb nahmen die beiden die Auszeichnung natürlich auch für die vielen ehrenamtlichen Helfer dankend entgegen. „In einer unaufdringlichen Weise hartnäckig", „er hat nie aufgegeben, wenn es darum ging, Unterstützung zu bekommen", so kennzeichnete Karlheinz Weimar die Arbeitsweise von Bidhan Roy. „Sie helfen durch viele kleine Programme und unterstützen Menschen, die sich dadurch selbst helfen können", sagte Erwin Zander, Generalkonsul a. D. in Kalkutta. „Es ist Ihnen gelungen, Menschen zu bewegen", charakterisierte Bad Cambergs Bürgermeister Wolfgang Erk (SPD). Dazu gehört auch der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Joachim Veyhelmann, der selbst eine Patenschaft für ein Waisenkind übernommen hat und zu den ersten Gratulanten zählte.

Gratulanten. Aus Deutschland und Indien waren sie gestern gekommen, um den Roys alles Gute zu wünschen, „Ich hätte nie gedacht, dass wir einmal so etwas bekommen", meinte Bidhan Roy sichtlich gerührt.

Die Gandhi Kinderhilfe unterstützt Waisen und hilfsbedürftige Erwachsene auf eine einzigartige Weise. Gerade daher mag es herrühren, dass die Einrichtung oft hohen Besuch" erhält. „Wir haben dieses Projekt immer wieder als beispielhaft herausgestellt", sagte der deutsche Konsul a. D. Zander. Bemerkenswert sei auch, wie es der Familie Roy und ihren Unterstützern gelang, aus kleinsten Anfängen so viel zu schaffen. Die Gandhi Kinderhilfe ist heute in Jemo durchaus ein Wirtschaftsfaktor, ein Arbeitgeber, ein Motor. Und gleichzeitig läuft das Ganze in guter Zusammenarbeit mit den dortigen Behörden - was gerade in Entwicklungsgebieten oft nicht funktioniert.

Jemo ist der Heimatort von Bidhan Roy. Ein Teil seiner Familie lebt in Kalkutta, und das „Dorf" Jemo zählt gut 20000 Einwohner. Immer wieder nutzen Helfer und Praktikanten aus dem heimischen Raum die Möglichkeit, sich dort zu engagieren. Immer wieder hat die Nassauische Neue Presse darüber berichtet. Im Waisenhaus leben heute 46 Kinder. Im Laufe der Jahre sind das medizinische Zentrum, das Ausbildungszentrum für bedürftige Frauen und eine Tagesschule für arme Kinder hinzu gekommen. Zusätzlich betreut der Verein rund 300 Patenkinder aus armen Familien, um ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen, Selbsthilfeprojekte wie die Versorgung von Familien mit einer Fahrradrikscha zum Broterwerb, Kühen, Nähmaschinen zeigen, dass im Kleinen angesetzt Großes geleistet wird.

Eine sehr seltene Ehrung: Der Hessische Finanzminister Karlheinz Weimar zeichnete sowohl Gisela als auch Bidhan Narajan Roy mit der Bundesverdienstmedaille aus.
Unser kleines Bild links zeigt „ihre" Kinder im Waisenhaus in Jemo beim Frühsport mit Pfarrer Joseph.
Rechts Gisela Roy bei den Kindern in Jemo, umringt von Praktikantin Anne Leuter (rechts) und NNP-Redakteurin Petra Hackert. Fotos: Hackert (2)/Leuter

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