Im Juni 2003 sind die Weltenbummler Martin und Nadine zu ihrer Weltreise aufgebrochen. Als besonderes Highlight planen sie mit dem Fahrrad und einem Faltkanadier für ca. 3-4 Jahre um die Welt zu reisen. Hier ist ein Auszug ihres Aufenthaltes in unserem Kinderheim in Jemo. Vielen Dank an die beiden Weltenbummler für den Besuch und den sehr netten Bericht.
Wir wünschen euch eine weiterhin gute und interessante Reise!

 

Kinderheim in Jemo:
Nach 5 Tagen und 415 Km errichten wir dann Jemo. In Jemo steht ein Kinderheim und eine Behinderteneinrichtung die von der Gandhi Kinderhilfe e.V. aus Bad Camberg (30 Km südlich unserer Heimat Limburg) aufgebaut wurde und betreut wird. Der "Vater" der Initiative Dr. B.N. Roy war gerade mit seiner Frau zu Besuch vor Ort und hatte uns bereits vor einigen Monaten per Email eingeladen. Offen gestanden sind wir mit sehr gemischten Gefühlen nach Jemo gefahren. Wir waren immer noch dabei unsere Erlebnisse vom Bahnhof in New Japalguri und die Abweisungen der Hotels und Fernfahrerraststätten zu verarbeiten. Außerdem war uns während unseres fünfmonatigen Indienaufenthaltes stets aufgefallen, daß es in Indien mehr als genug zu Essen gibt, und daß auch die Wasserqualität nicht so schlimm war (wir haben immer Leitungswasser getrunken). Ferner gibt es in Indien so viele unglaublich reiche Menschen, die sich um ihre Armen einen feuchten Kehricht kümmern. Verschlimmert wird die Situation sogar noch dadurch, daß viele Lehrer und Ärzte in den Krankenhäusern und Schulen bewußt mangelhaft arbeiten, um dann in Privatpraxen und als Nachhilfelehrer zusätzlich Geld zu verdienen!!! All diese Gedanken schwirrten also in unserem Kopf umher, als wir auf das Gelände des Kinderheimes in Jemo fuhren. Wir stiegen gerade von unseren Rädern, als wir auch schon von Herr und Frau Roy sowie einer ganzer Schar Kinder herzlich begrüßt wurden, und ehe wir uns versahen waren unsere Räder und unsere Ausrüstung in einem Büroraum verstaut. Wir wurden in einem sehr schönen Gästezimmer (auch der Rest der Anlage war wunderschön gepflegt) untergebracht und konnten uns erst einmal den Staub der Straße abwaschen, bevor wir mit einem vorzüglichen Mittagessen verwöhnt wurden. Auch in den folgenden Tagen wurden wir wirklich rührend umsorgt. Wir können getrost sagen daß wir uns sehr wohl gefühlt haben.

Kinderheim und Projekte:
Unsere Skepsis gegenüber Hilfsprojekten in Indien haben wir ja oben schon geäußert, und so waren wir umso glücklicher als wir feststellten, hier an einem Ort gelandet zu sein, der alle negativen Berichte über Entwicklungshilfeberichte (Veruntreuung und falscher Einsatz von Spendengeldern) Lügen strafte. Die Kinder wurden rundherrum sehr gut und liebevoll betreut, so daß man regelrecht spüren konnte das Sie sich wohlfühlten . Neben dem Kinderheim wurde von der Gandhi Kinderhilfe e.V. auch noch eine Schule (incl. "Nachhilfelehrer") für Kinder aus armen Familienverhältnissen unterhalten. Besonders begabte Schüler wurden sogar eine weiterführende Schulausbildung ermöglicht. Ermöglicht wird dies unter anderem mit Patenschaften die man für gerade mal 6,-€/Monat und Kind übernehmen kann! Das Biyoendu Memorial Institut ist jedoch keine in sich geschlossenen Einrichtung. Die angegliederte Krankenstation steht allen offen. Ferner wird eine kleine Schule unterhalten, in der Frauen zu Näherinnen ausgebildet werden. Auch um die bedürftigen Familien der Gegend kümmert man sich durch den Bau von Brunnenanlagen oder durch die Vorfinanzierung von Fahrradrikschas und Nähmaschinen, so daß sich verarmte Familien ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können. Besonders gut hat uns gefallen daß die Fahrradrikschas und Nähmaschinen prinzipiell nur vorfinanziert werden. So haben die Familien die Möglichkeit Geld zu verdienen ohne dabei ihr Selbstwertgefühl zu verlieren. Zu verdanken ist diese wirklich sinnvolle und rundum gelungene Einrichtung dem unermüdlichen Einsatz der Familie Roy aus Bad Camberg. Herr Roy stammt eigentlich aus Jemo und ist vor über 40 Jahren nach Deutschland ausgewandert um sein "Glück" zu versuchen, und versucht nun seiner alten Heimat etwas zu helfen. Wir waren stets beeindruckt, von der unkomplizierten und herzlichen Art mit der die Roys sich um all die kleinen und großen Sorgen in und um das Kinderheim gekümmert haben. Übrigens ist jeder stets herzlich willkommen um sich das Projekt mit eigenen Augen anzusehen.

Spenden: Aus unserem großen Spendenaufruf sind großartige 400,- € zusammengekommen (jedoch nur 5 Spenden insgesamt). Wir selbst waren von dem gesamten Projekt sehr überzeugt (hier wird mit Herz und Hirn gearbeitet!) und so haben wir uns als Radreisende daher entschieden, das Geld dementsprechend zu verwenden. So wird von dem Geld eine Fahrradrikscha (150,-€) und ein Pumpbrunnen (250,-€) angeschafft werden. Die Fahrradrikscha wir dann unter Familien ohne eigenes Einkommen verlost werden, wodurch diese Familie in der Zukunft in der Lage sein wird für ihr eigenes Auskommen zu sorgen (die Familie muß zwar in Raten nach eigenem Ermessen den halben Kaufpreis der Rikscha abbezahlen, doch mit der Möglichkeit nun Geld zu verdienen ist das kein Problem und so können sie auch ihr Selbstwertgefühl bewahren). Für den Brunnen haben wir uns entschieden, da uns auf unserer Reise tagtäglich bewußt wird, wie wichtig frisches Trinkwasser ist. Oft haben wir Frauen und Kinder gesehen, die Wasserkanister kilometerweit von nächstgelegenen Brunnen nach Hause schleppen mußten, und so können wir zumindest ein Paar Familien zu frischem Wasser verhelfen.

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